#1 Zur herrschenden Bibel-Exegese von Gysi 08.09.2014 09:13

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Die Erbsünde


Der Schöpfungsgeschichte der Bibel steht doch auf der Stirn geschrieben, dass es sich bei der um eine Allegorie handelt. Das "Paradies" ist der verklärte Ort der Naturidentität, in der die Tiere mit der Natur lebten.

Der Löwe fraß die Gazelle. Der Gazelle war das nicht recht, aber wurscht: es war okay. Die NATURgesetze herrschten. Und die herrschten auch für die Menschen, solange sie noch keine Menschen waren.

Das Tier kennt kein Gut und Böse, denn das sind menschliche Kategorien. Das Essen vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse schildert allegorisch nichts anderes als die Menschwerdung! Plopp!, da ward der Mensch ein Mensch! Nix mehr mit totaler Versorgung durch die Natur, da musste der arbeiten, um sich genügend zu versorgen - "im Schweiße seines Angesichts". Gott verstehe ich in dieser Geschichte als eine Symbolgestalt für die Kräfte der Natur.

Die abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) sind Gesetzesreligionen, die eine (vergöttlichten) Autorität bedürfen, neben denen es keine anderen Götter (also Gesetze) geben darf.
Durch das Wissen vom Bösen bedarf der Mensch Einschränkungen durch Gesetze. Diese Fähigkeit, was falsch zu machen, haben seine Nachfahren auch. Darum bedürfen auch sie Gesetze.

Auf diesen Realismus reduziert kann man die Genesis auch lesen. Die Christen lesen sie anders. Im Paradies lebte man ewig, oder hätten Adam und Eva ewig leben können, wenn sie sich der Verlockung ihrer (von Gott eingegebenen...) Neugierde auf Erkenntnis nicht ergeben hätten.

Aber erfreulicherweise hatte es dann ja – zur Freude aller Christen – später den Erlöser (von der Erbsünde) gegeben...



Die Kreuzigung

Jesus von Nazareths Geschichte ist – nachweisbar nicht korrekt journalistisch - zu geringen Zeitspannen dokumentiert. Die letzten vielleicht anderthalb Jahre seines Lebens sind in den Evangelien niedergeschrieben. Es wurden damals etwa 70 (!) Evangelien über Jesus geschrieben. Nur 4 wurden in 4. Jahrhundert von den damals maßgeblichen katholischen Führern für die Bibel kanonisiert. Warum nur die letzten Monate oder Jahre? Weil die anderen möglicherweise nicht erwähnenswert waren. Mit 12 fiel er jüdischen Priestern als ein intelligentes Kerlchen auf, das Fragen stellte und kluge Antworten gab. Die Geburtsgeschichte und die Jungfräulichkeit Marias bei der Geburt sind nachweislich dazugedichtet worden, um sie mit einer alttestamentarischen Prophezeiung zu harmonisieren.

Jesus war ein charismatischer Rebell mit einer kleinen Anhängerschaft, der, aufgrund seiner Eigenschaft als Nachkomme des Königs David, den Königsthron beanspruchte. Er kämpfte gegen die römische Herrschaft und gegen die Pharisäer, die das Judentum verwässerten. Das wollte Jesus wieder original machen. Wenn er auch dazu mit der bemerkenswerten Idee von der Nächstenliebe aufwartete. Neu war die nicht, die den buddhistisch-hinduistischen vedischen Schriften stand auch schon was davon. Aber von einer neuen Religion sagte Jesus zu seiner Zeit nichts! Er beanspruchte nur die Führung seiner Person, nicht nur mit lieben Worten, auch mit scharfen Worte der Rache und des Hasses, wie ein Guerilla-Führer mit Durchsetzungswillen - auf eine autoritäre Herrschaft - sie wohl bisweilen gebrauchen muss... Demokratische Verhandlungskultur – die gab es damals nicht.

Jesus ist an seinem Jähzorn gescheitert. Er wurde durch seine Tempelrandale am Sabbat auffällig, und sollte deswegen sterben.

Aber er hatte die Kreuzigung überlebt! Wer die Kreuzigungsgeschichte in der Bibel genau liest, kann in ihr nichts finden, was eindeutig dagegen spricht.
Er wurde nach nur wenigen Stunden am Kreuz abgehängt, weil er angeblich gestorben war. Normalerweise dauerte so eine Kreuzigungstortur mehrere Tage. Und Jesus soll nach nur wenigen Stunden schon gestorben sein, ein junger etwa 34-jähriger Mann?
Dann wurde er von seinen Anhängern weggetragen und in einer Grotte offenbar gepflegt. Als die Römer einen Kontrollgang machten, war er weg! Und drei Tage später wurde er von anderen – so von dem „ungläubigen“ Thomas – lebendig gesichtet. Eine Zeit später von Paulus in Damaskus.

Selbst die biblische Faktensammlung (deren Wahrheitsgehalt an einigen Stellen durchaus anzuzweifeln ist) führt zu dem naheliegenden Schluss, dass Jesus die Tortur der Kreuzigung überlebte und dann – verständlicherweise – vor seinen Häschern ins Ausland floh.


Die Exegese des frühkatholischen Klerus redet von der Wiederauferstehung und verbindet die mit der Erlösung von der Erbsünde bei Glauben an diese Geschichte. Denn der Glaube an diese Geschichte bringt dir das ewige Leben, das die ersten Menschen im Garten Eden schon hätten haben können. Zwar wirst du auch hier auf Erden erst mal zu „Staub“, aus dem du ja auch kommst gemäß der Verdammung Gottes für diese Freveltat des Ungehorsams (Genesis), aber danach, ja – dann gibt es die ewige Seligkeit. Aber nur für die Guten! Also die Gläubigen. Die Seligen, die „arm am Geiste“ (NT) sind. Die es eh nicht so mit dem Baum der Erkenntnis haben...

Die Bibelkenner sollen selbst entscheiden, welcher Interpretation sie mehr Glauben schenken.




Unschuld


Ein Mann oder eine Frau ohne die Erfahrung eines sexuellen Geschlechtsaktes wird gerne als „unschuldig“ bezeichnet. Das bedeutet also, dass die Leute mit sexuellen Partnerschafts-Erfahrungen „schuldig“ sind.

Diese Vorstellung ist von den Theologen mit der bizarren Exegese der Genesis in unsere Sprache eingegangen, nach der es im Paradies – zwar Mann, Frau und Kinder, aber – keinen Sex gab. Der ist erst nach der Vertreibung aus dem Paradies entstanden, als sich Adam und Eva als „nackt“ erkannten. Darum ist der Sex ein sündiger Akt, der dich „schuldig“ macht!
Der „Unschuldige“ befindet sich noch in einem paradiesischen Zustand der Ahnungslosigkeit, noch nichts vom „Baum der Erkenntnis (von Gut und Böse)“ genascht...

Kain und Abel müssen (nach dieser Exegese; es gibt auch andere) also jungfräulich geboren worden sein. Heilig, göttlich, so wie Jesus eben auch. Sex hat in den abrahamitischen Religionen immer was mit Sünde, Erbschuld, Tod und Verderben zu tun. Aber der jungfräulich Geborene und Wiederauferstandene befreit dich von deiner Schuld und gibt dir das ewige Leben zurück, dass deine Ureltern in ihrer Wissensgier auch für dich vergurkt hatten. Befreit er dich auch von deinem Sünde-Mal der Sexualität? Willst du da wohnen?

„Unschuld“ ist eine Formel, die zu fatalen ethischen Konfusionen führt: Der sexuelle Akt kann die tiefsten und schönsten Gefühle schaffen, auf die man stolz ist und die man nie missen mag. Und in diesen schrecklichen Religionen wird das ganze Trieberleben – Onanie ja auch – mit „Schuld“ belegt. Darum sind die katholischen Priester ja auch ehelos, denn die sind ja was Besseres, dem Paradies näher, als der normale, sündige, „schuldige“ Mensch! Sex muss zwar sein, zwecks Fortpflanzung, das ist ärgerlich genug – aber was soll's.

Der Mensch belegt seinen mit am tiefsten in ihm genetisch angelegten Trieb und seine vielleicht gewaltigsten positiven Körpererfahrungen mit „Schuld“. Er wird diesen logischen Defekt – sofern er gläubig ist – auch nur mit einem Defekt in seiner Logik und seiner Ethik verarbeiten können. „Schuldig“ sein wird zu einer positiven Erfahrung. Schuld haben ist also gut.

Eine derartige Realitätsverschmierung kann ein gebrochenes Feingefühl für ein positives Sozialverhalten provozieren, sie lehrt, der gelernten Ethik nicht zu vertrauen, sondern nicht ganz ernst zu nehmen – in das eine Ohr reinstopfen und in das andere Ohr wieder rauszulassen! Lieb er ethisch ungebildet bleiben als so einem Unsinn auf den Leim zu gehen!

Solche Religionen schaffen ethische Krüppel oder ethische Analphabeten! .



Der Teufel schuf den Menschen!


Wenn wir davon ausgehen, dass die Genesis die Geschichte der Menschwerdung ist, die Schöpfung des Erkenntniswesens Mensch durch das Essen einer Frucht vom „Baum der Erkenntnis“, dann war Gott die Kraft gewesen, die gegen – und Luzifer die Kraft, die für – die Menschwerdung war!

Gott hatte schon mit Luzifer genug Ärger, um seine Macht zu behaupten, jetzt kam noch der Mensch mit seinen Erkenntnisfähigkeiten als „Gott Ebenbürtiger“ (Genesis) hinzu. Das mochte er nicht (oder sie: In der Genesis ist an der Stelle von mehreren „Göttern“ die Rede), denn er ist ein „rachsüchtiger und eifernder“ Gott (2. Gebot).

Gott war ein (in der biblischen Geschichte!) um seine Macht fürchtendes Machtwesen, er fürchtete die menschliche Erkenntnisfähigkeit, er fürchtete seine Intelligenz. Und auch Jesus fürchtete seine Intelligenz. Denn „selig sind die arm an Geist“. Er brauchte keine klugen Menschen, er brauchte nur welche, die ihm folgten! Welcher kluge Mensch ließ und lässt sich schon für seine Willfährigkeit „das Himmelreich“ versprechen?

Der klug gewordene, der Mensch gewordene Mensch, flog eben raus aus dem Paradies. Und der wieder zum Dummsein Regenerierte darf wieder rein. So ist Gottes Strafe, so ist Gottes Angebot.


Wir müssen natürlich bedenken, dass die Genesis eine menschliche Erfindung ist. Da haben die damals kreativ tätigen Paladine der Mächtigen in deren Interesse die Menschen so geschnitzt, wie sie – selber gottähnlich, gottgleich - sie haben wollten: willfährig, ergeben und ein bisschen dumm!
Sie hatten selber nicht die Ahnung davon, dass die Verhältnisse auf der großen Meta-Bühne anders sein könnten, als bei denen – vor ein paar Tausend Jahren hier auf Erden, im vorderasiatischen Raum. Die Menschen dachten damals so egozentrisch, und sie glaubten wohl selber daran.

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